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Special vom 26.07.2010 |
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Melt! 2010 |
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Kings of Convenience (Foto:Ase Holte) |
Das 13. Melt! Festival konnte aufgrund von perfektem Wetter und guten Acts nicht nur an den Erfolg der letzten Jahre anknüpfen, sondern sogar noch einen draufsetzen.
Über 35.000 Menschen aus über 20 Nationen kamen zu dem Festival, um den Sommer ordentlich zu feiern. Schauplatz des Events war wieder einmal das Ferropolis-Gelände, nahe Dessau, mit seinen monströsen Kränen und einem bezaubernden See, der häufig als kleine Abkühlung genutzt wurde. Denn wettertechnisch war das Melt! vor allem eins: ziemlich heiß! So mussten die vorhandenen Sanitäranlagen öfters mal kurz geschlossen werden, da die örtlichen Pumpen einfach überfordert waren und es kein Wasser mehr gab. Doch für Abhilfe wurde gesorgt: ab Freitag liefen etliche Helfer mit Eiskartons herum und verteilten kleine Abkühlungen an die schweißgebadete Masse.
Offizieller Start des Festivals war zwar erst am Freitag, den 16. Juli 2010, doch bereits am Donnerstagabend wurden die früh angereisten Besucher mit Acts wie Frittenbude beglückt. Am Freitag trafen dann schließlich die letzten Besucher ein, die das volle Festival oder zumindest den ersten Tag genießen wollten, und es wurde noch einmal hektisch auf dem Campingplatz. Denn es ging ja schließlich schon um 15:00 Uhr los. Und zwar mit Thomalla, der den Startschuss für ein Wochenende gab, welches die Besucher nicht so schnell wieder vergessen würden. Und die meisten der über 120 Acts wahrscheinlich auch nicht.
Das erste große Highlight am Eröffnungstag ereignete sich ab 19:30 Uhr, als die schwedischen Musiker der Shout Out Louds die Bühne betraten. Die Converse Main Stage war zwar noch nicht so ganz gefüllt, aber die Band machte eine gute Show und so ließ sich selbst der letzte Tanzmuffel zum Im-Takt-Wippen animieren. Ca. 70 min. ging die Show und am Ende ist es wie zuvor: heiß. Doch eins bleibt und zwar die Erinnerung an fünf Schweden der besonderen Art.
Danach heißt es, sich, wie so oft in diesen drei Tagen, zu entscheiden: Geht man zu den Studi-Altpoppern von Tocotronic oder zu den Newcomern des Jahres, Two Door Cinema Club? Keine einfache Entscheidung, aber eines steht fest: beide rockten das Melt!, wie es sich gehört, und so stieg die Stimmung weiter wie die Temperatur des Biers im Becher, welches mittlerweile eher an einen Apfelsaft erinnerte.
Allgemein ist an dieser Stelle erstmal festzuhalten, dass das Melt! es dieses Jahr wieder einmal geschafft hat, das Beste an elektronischer Tanzmusik und angesagter Indie/Alternative Musik auf einem Festival zu vereinen, was den einen als Laufsteg und den anderen als Plattform des Exzesses diente. Des Weiteren gab es dieses Jahr nicht so viele große Headliner wie im vergangenen. Statt Acts wie Bloc Party, Oasis, Travis oder Gossip, ging das Melt! auf die Suche nach den vielversprechendsten Newcomern und stellte einige Acts vor, die vielleicht auch mal eine Art Oasis werden, nur hoffentlich netter.
Der absolute Höhepunkt des Freitags waren The XX. Drei Teenies aus England, die mit gerade mal 19 bis 20 Jahren es geschafft haben, ausverkaufte Tourneen zu spielen und die Mainstage das erste Mal voll zu kriegen; und das alles nach nur einem Album! Die Show war zwar gut und die Tracks wurden, wie gewohnt, in der Reihenfolge des Albums runtergespielt, doch leider war die Musik sehr ermüdend, so dass man zwar am Ende der Show begeistert und den Tränen nahe, um seine Freundin oder sein Bier geschlungen da steht, aber irgendwie nun auch die Energie fehlt, weiter zu den Acts des Abends zu feiern.
Trotz dieser Befürchtung schaffen es dann doch fast alle der Festival Besucher, sich noch einmal für die Foals aufzurappeln, denn die Jungs wissen, wie man ein Publikum zum Kochen bringt. Wer aber nun nicht so auf der „Indie“-Schiene fuhr, der konnte sich in dieser Zeit an Acts wie Yeasayer, Health und Kele erfreuen. Wobei es sich bei letztem um den Sänger der Band Bloc Party handelt, welche noch 2009 auf dem Melt! als Headliner vertreten war und nun ihren Sänger mit seinem Solo-Projekt ins gemütliche Intro-Zelt schickte.
Wer dann immer noch nicht genug hatte, blieb bis zu Simian Mobile Disco, die schon, wie letztes Jahr, mit knarzigem Electro die Gemini Stage in einen Club verwandelte. Danach ging es immer noch weiter, doch nun nur noch für die wirklich hart gesottenen. Und zwar auf dem Sleepless Floor, der wie der Name schon verrät, für die Party-Raketen des Festivals seine Pforten am frühen Samstag um 7:00 Uhr öffnete und bis Montag früh um 6:00 Uhr nicht wieder schloss. Melt! eben.
Am Samstag ging es weiter mit Acts wie Jamaica, Blood Red Shoes, Dendemann und den Friendly Fires und natürlich der Hitze. Ganz besonders ist die Show des Künstlers Darwin Deez hervorzuheben, der trotz tropischer Temperaturen im Intro-Zelt, eine grandiose Show ablieferte, inkl. kleinen Tanzeinlagen und Dance-Battles mit seiner Band. Kurz danach enterte Jamie T die Main Stage. Ein junger Engländer, der mit Hits wie “Sticks‘n’Stones“ und “368“ die Leute erfreute, wenn auch sein Gemüt immer etwas an die Vokuhila-Frisur von Dendemann erinnerte. Am Ende verließ Jamie T die Bühne, ganz Rockstar-mäßig, in dem er eine Gitarre über die dieselbige feuerte und noch schnell die Masse nach etwas pflanzlichem fragte, um sein Bewusstsein zu „stärken“.
Parallel konnte man sich im Intro-Zelt mal ein wenig „härtere“ Musik zu Gemüte führen bei den Futureheads. Diese heizten mit ihrem Post-Punk-Sound mächtig ein und waren mit den am Sonntag spielenden Jungs von Turbostaat und Johnossi eine der wenigen Alternativen der „lauteren Musik“. Danach folgte dann mit DJ Shadow, Chris Cunningham, Moderat, A-Track und Tiga das elektronische Abteil des Melt! und es wurde wild zu minimalistischen Beats und Dub-Step gefeiert.
Am letzten Tag, dem Sonntag, kamen dann endlich ein paar größere Namen auf die Bühnen des Melt!. Begonnen wurde um 16:00 Uhr mit den Kings of Convenience, die mit ihrer Show einen direkt zurück in die Zeit versetzten, in der die 1960-er Generation beschwingt zu Simon&Garfunkel getanzt hatte. Doch Vorsicht war geboten, denn wer zu lange bei den „Königen der Bequemlichkeit“ entspannte, wurde mit härtestem Sound aufgeschreckt: Die zwei Jungs um die schwedischen Rocker Johnossi heizten dem Publikum ordentlich ein und lieferten eine Show, die jeden Sonnenstich lohnte.
Wer danach auf der Main Stage blieb, wurde mit den großen Headlinern Broken Bells, Goldfrapp und Massive Attack beglückt, wobei erste sehr wenig und dafür Massive Attack sehr intensiv überzeugten. Bei denen war, wie letztes Jahr bei Oasis, die Main Stage bis zum letzten Eckchen gefüllt und selbst auf dem Backstage-Balkon war es voll. Denn jeder wollte die TripHop-Pioniere sehen und zwar zu Recht: Mit einer grandiosen, über 100 Minuten dauernden Show setzten Massive Attack dem Melt! die Krone auf. Wer dann noch fit war, entledigte sich noch mal bei den Crookers seines letzen Fetzens Energie und taumelte bei Ellen Allien auf dem Sleepless Floor vorbei, die zusammen mit Sascha Funke das Festival offiziell beendete.
Alles in allem war das Melt! erwartungsgemäß ein voller Erfolg und dieses Jahr spielte sogar das Wetter mit. Einziger Makel war wieder einmal die schlechte Verbreitung von News wie verschobenen Acts oder die Fahrzeiten der Busse. Doch sind wir mal ganz ehrlich: bei solch einer Show ist es völlig wurscht, ob man mal etwas länger läuft oder eben Apfel-Saft Bier trinkt. In diesem Sinne: bis zum nächsten Jahr auf dem Melt! (lb) |
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