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Pop-Report vom 01.07.2010 |
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CD Kritik
Scissor Sisters: "Night Work"
New Yorker Quartett feiert das Nachtleben in allen Facetten
Gut vier Jahre ist es her, dass die Scissor Sisters mit dem Erfolgsalbum "Ta-Dah" und dem Mega-Hit "I Don`t Feel Like Dancin`" zu Superstars avancierten. An diesen überraschenden Erfolg versucht die Band aus der New Yorker Schwulen-Szene nun mit ihrem dritten Album "Night Work" anzuknüpfen.
"‘Night Work‘ zeigt uns ganz in unserer Quintessenz, wer wir wirklich sind. Die Platte ist einfach nur ein Traum. Sie vereint all das, woran wir uns früher vergeblich die Zähne ausgebissen haben", beschreibt Sänger Jake Shears selbstbewusst das neue Album im Pressetext. "Die fast schon rührselige Stimmung des Vorgängers ist dieses Mal durch ein eher düsteres Element ersetzt, was mich jedes Mal umhaut! Dieses düstere Element ist sexuell sehr stark aufgeladen. Weite Teile des Albums handeln davon, die eigenen Grenzen zu überschreiten und vielleicht sogar einen Tick zu weit zu gehen."
Schön bebildert wird dies durch das Cover, das ein knackiger Männerhintern ziert. Das Foto stammt von Robert Mapplethorpe und der Po gehört dem Tänzer Peter Reed. Der prägende Einfluss für die neuen Songs ist die im Nightlife geerdete Musik der 70er und 80er: also Musik wie Disco, Glamrock, Funk oder Dance. Mit Stuart Price (u.a. Zoot Woman, The Killers, Madonna) wurde ein fachkundiger Co-Produzent mit ins Boot geholt.
Jake Shears, Babydaddy, Del Marquis und Sängerin Ana Matronic drücken auf "Night Work" mächtig aufs Tempo, Balladen Fehlanzeige. Auch die erste Single "Fire With Fire", die mit einem gemächlichen Elton John-Piano startet, schaukelt sich zu einer Breitband-Pop-Hymne auf. Dominierend sind Disco Beats, die je nachdem mit Funk-, Rock- oder House-Elementen kombiniert werden.
"Night Work" ist nicht innovativ, sondern eine deutliche Hommage an die Musik, die die Scissor Sisters lieben: Von George Michael und Madonna bis zu Prince und den Pet Shop Boys lassen sich zahlreiche Querverweise finden. Dass die 12 Songs dabei extrem tanzbar sind, ist überflüssig zu erwähnen. Doch es geht nicht nur um Party. Die oben erwähnten sinistren Elemente des Nachtlebens scheinen etwa in den schwülen Funk-Knallern "Any Which Way" und "Skin This Cat" oder im flirrenden Abschlusstrack "Invisible Light" (zu dem Gandalf-Darsteller Ian McKellen einen "Thriller"-Rap beisteuert) durch.
In der Wahl der Mittel sind die Scissor Sisters vielleicht nicht immer ganz geschmackssicher (einige 80er-Pop-Zitate hätte man sich durchaus sparen können) und auch ein zweites "I Don`t Feel Like Dancin`" sucht man vergebens, aber "Night Work" ist ein kraftstrotzendes, schweißtreibendes Disco-Album, das locker über die lange Wartezeit hinwegtröstet.
www.scissorsisters.com
Scissor Sisters live:
09. Juli 2010 Berlin – Huxleys Neue Welt
13. Juli 2010 Köln - Live Music Hall
20. Juli 2010 München - Muffathalle
(ra) |
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