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Pop-Dialog vom 04.10.2007
Interview mit Justin Kniest, Fabchannel.com
Justin Kniest im Paradiso,
einem der beiden Fabchannel Klubs
in Amsterdam
Fabchannel.com ist eine Bereicherung für jeden Musikfan. Auf der niederländischen Seite werden erstklassige Konzerte gestreamt und das ganze auch noch gratis. Unter anderem Bright Eyes, Arcade Fire oder Bloc Party standen schon vor den Fabchannel-Kameras in den berühmten Amsterdamer Klubs Paradiso und Melkweg. Pop100 sprach mit Justin Kniest, der Fabchannel im Jahr 2000 gründete, über die Zukunft der Musikpromotion.

Pop100: Was ist die Idee hinter Fabchannel.com?

Justin Kniest: Bevor ich mit Fabchannel angefangen habe, war ich Promoter für das Paradiso in Amsterdam. Ende 1999 haben wir festgestellt, dass Live-Musik im TV und Radio immer weniger Berücksichtigung findet. Im Paradiso treten im Schnitt 600 Bands pro Jahr auf und nur ein oder zwei Prozent von ihnen werden im TV oder Radio promoted. Wenn man dabei im Hinterkopf hat, dass Künstler vor allem auf Tour gehen, um ihre neuen CDs zu bewerben, so ist das bei weitem nicht genug. Wenn also eine Band nur einen Termin in Holland vor 1.500 Leuten spielt, so müssten diese 1.500 Menschen dafür sorgen, dass auch der Rest von Holland erfährt, dass die CD fantastisch ist und dass das Konzert großartig war. Außerdem existiert eine große Diskrepanz zwischen dem Stellenwert von Live-Musik in den Medien und dem Interesse des Publikums, was wir daran sehen, dass das Paradiso fast immer ausverkauft ist. 1999 waren wir davon überzeugt, dass das Internet die Zukunft der Musikpromotion ist und so dachten wir uns, dass wir das auch selbst machen können, ohne auf TV-Redakteure angewiesen zu sein. Also haben wir angefangen, die Konzerte im Paradiso mit unseren eigenen Kameras zu filmen und haben versucht, die Rechte zum Streamen zu bekommen. So haben wir unsere eigene Promotionplattform für Live-Musik aufgebaut.

Pop100: Wie hat sich das Verhältnis der Musikunternehmen und des Live-Business zum Web in dieser Zeit gewandelt?

Kniest: Es ist absolut verblüffend, wie lange die Schallplattenindustrie gebraucht hat, um das Internet einzubeziehen. Und immer noch haben viele bei den Majors Angst davor und versuchen es zu umgehen. Rick Rubin hat in einem Artikel geschrieben, dass das, was die Musikindustrie zur Promotion von Konzerten und CDs braucht, mehr Mundpropaganda von Fan zu Fan ist. Dafür sind Social Networks sinnvoll. Aber man muss sich wirklich auf die neuen Medien einlassen und dazu sind viele in der Musikindustrie nicht bereit. Sie sind auch nicht daran gewöhnt, mit kleineren Unternehmen zusammen zu arbeiten, die aber, wenn es um bestimmte Genres geht, sehr hilfreich sein können. Die Musikindustrie möchte all das außen vor halten und nur mit großen Unternehmen zusammenarbeiten. Das bedeutet für uns, dass es sehr schwer ist, einen Vertrag mit einem Major Label abzuschließen. Also arbeiten wir nur mit Independent Label zusammen, die den Promotion-Wert unserer Arbeit erkennen. Unser Argument ist: Wenn wir das Konzert nicht aufnehmen, erreicht man nur 1.500 Menschen. Wenn man das Konzert aber mitschneidet und sendet, erreicht man 500.000 Menschen. Zudem produzieren wir Material, das es so vorher noch nicht gab und eine Live-Aufnahme ist etwas total anderes als eine Studio-Produktion. Beide Formate kommen sich nicht in die Quere, sondern ergänzen sich. Erst im vergangenen halben Jahr haben die Major Label begonnen umzudenken und neues auszuprobieren. Meiner Meinung hätten sie damit schon vor fünf Jahren anfangen sollen. Sie haben zu lange den Kontakt mit ihrem Publikum vernachlässigt und stellen jetzt fest, dass sie gar nicht das Know How haben, um das Publikum zu erreichen.

Pop100: Die Qualität des gesendeten Materials auf Fabchannel ist enorm hoch. Wie finanziert ihr die Produktion?

Kniest: Das Paradiso hat ziemlich viel in uns investiert und wir erhalten Fördermittel von der Stadt Amsterdam und der niederländischen Regierung. Wir werden gefördert, weil wir Musik mitschneiden, die sonst niemand sendet, was eine Schande ist. Unsere Zielgruppe ist zwar relativ klein, aber wenn 20.000 zuschauen ist das auch schon sehr gut. Die ersten fünf Jahre haben wir versucht uns mit Fördermitteln und DVD-Produktionen über Wasser zu halten. Im Moment stellen wir aber fest, dass Online-Business-Modelle wie Werbung und Sponsorship anziehen. Darauf haben wir die vergangenen sieben Jahre gewartet. Die Technologie und die Verfügbarkeit von Breitbandnetzwerken hat eine Masse erreicht, bei der Menschen bereit sind, für bestimmte Musikservices Geld zu zahlen und die für Marken interessant ist, um ihre Zielgruppe zu erreichen. Das ist es, wohin wir uns im Moment entwickeln.

Pop100: Momentan hat Fabchannel Konzerte im Repertoire, die im Paradiso, im Melkweg und im spanischen Club Bikini aufgenommen wurden. Habt ihr vor, euer Betätigungsfeld auch auf andere Länder auszuweiten?

Kniest: In den Niederlanden haben wir das Paradiso und das Melkweg, die beide um die 1.500 Besucher fassen. Ich denke, dass das eine optimale Größe ist, weil geschätzte 60 Prozent aller Bands zu irgendeinem Zeitpunkt ihrer Karriere Konzerte in dieser Größenordnung spielen. Im Prinzip können wir also 60 Prozent aller Bands, die Genehmigung vorausgesetzt, vor unsere Kameras bekommen. Was das Material anbelangt, sind wir also für die nächsten Jahre ausgelastet. Zudem haben wir in unseren beiden Locations in Amsterdam feste Kameras installiert, was die Arbeit erleichtert. Aber wir haben festgestellt, dass Zuschauer aus Deutschland oder Großbritannien lieber Konzerte sehen, die bei ihnen stattgefunden haben. Außerdem spielen viele amerikanische Bands nur in den Staaten und kommen überhaupt nicht nach Europa. Natürlich würden wir auch gerne solche Konzerte übertragen und aktuell sind wir auf der Suche nach Partnern in diesen Ländern. Deswegen heißt die Seite auch Fabchannel und nicht "Paradiso Online", weil wir eine Marke aufbauen wollten, die auch auf andere Veranstaltungsorte übertragbar ist. In Spanien ist uns das mit dem Bikini Club bereits gelungen.

Pop100: Wie wird die Seite promoted?

Kniest: Fabchannel wird vor allem durch Mundpropaganda promoted und mit einem kleinen Marketingbudget auch online. Daneben haben wir diesen Youtube-mäßigen Player entwickelt, mit dem Konzerte oder Playlisten in eigene Blogs oder Profile bei Myspace oder Bebo eingebunden werden können. Da es ausgeschlossen ist, dass die ganze Welt Fabchannel.com besucht, muss Fabchannel in die Welt getragen werden. Wir benutzen im Prinzip die gleiche Technik wie Youtube, nur das wir unsere Seite mit aktuellem Konzertmaterial bestücken, was im Moment sehr gut läuft.

Pop100: Zahlt ihr Urheberrechtsabgaben?

Kniest: Natürlich zahlen wir Tantiemen an die Künstler. Jeder, der an Fabchannel.com beteiligt ist, wird auch am Erlös beteiligt. Dazu zählen neben den Acts auch die Venue, die Rechteorganisationen und die Plattenfirmen.

Pop100: Viele Seiten, die in den vergangenen zwei Jahren im Internet groß geworden sind wie Youtube, Last.fm und andere, wurden von größeren Firmen oder Investoren aufgekauft. Was war das interessanteste Angebot, das ihr erhalten habt?

Kniest: Solche Angebote haben wir bislang nicht erhalten, aber wir sprechen durchaus mit Investoren, was aber etwas anderes ist. Weder CBS noch Google wollte uns bislang kaufen und das hat auch seine Gründe. Wir sind immer noch ein relativ kleines Unternehmen, was daran liegt, dass wir unser Material selbst produzieren, während Youtube oder Last.fm auf bereits bestehendes Material zurückgreifen, bzw. User Generated Content benutzen, bei dem teilweise die Rechte nicht geklärt sind. Wir haben von Anfang an darauf geachtet, dass unsere Konzerte von den Plattenfirmen abgesegnet sind. Während Last.fm inzwischen auch Songs von Major Label im Repertoire hat, haben viele der großen Plattenfirmen immer noch Angst, mit uns zusammen zu arbeiten. Major Label besitzen schätzungsweise 60 Prozent des weltweit verfügbaren Katalogs, deswegen sind unsere Reichweite und unser Wachstum natürlich begrenzt.

Pop100: Wie viele Besucher hat Fabchannel.com?

Kniest: Wir haben 8 bis 9 tausend Besucher pro Tag, die im Durchschnitt 20 Minuten Konzertmaterial anschauen. Pro Monat haben wir also so um die 250.000 Visitors.

Pop100: Die Top 5 deiner Musikmedien, die du regelmäßig benutzt?

Kniest: Last.fm, Pitchfork, Musikexpress, iTunes, Myspace und Bebo.

www.fabchannel.com

Universal-Künstler demnächst live auf Fabchannel

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